Donnerstag, 1. November 2012

Wir reden über...

...PREISE....

Also, ich gehe es mal an. Das Thema Preise ( damit es hier nicht ZU kuschelig wird )
Holt euch Kaffee oder Wein...es dauert etwas....das längste Posting ever...

Es ist für viele ja ein Problem, "richtige" Preise zu nehmen, zu errechnen oder sich damit auseinander zusetzten...
Ich werde keine Kalkulationsbeispiele geben, einfach ein paar Denkanstösse.
Entscheident ist : Was ist euch eure eigene Arbeit wert ???!!!
Wenn ich ein Schmuckstück erstelle, ist ja nicht nur der gerechnete Warenwert vorhanden.
SONDERN:
Meine Erfahrung, meine Inspiration, meine Leidenschaft, mein Herz, meine Nerven, mein Spaß, mein Wissen, meine Kreativität, meine Warenkenntnisse, meine Idee, Zeit für Wareneinkäufe, Zeit für Modeinformation, Zeit die richtigen Farben auszusuchen (braucht meistens am Längsten ), meine verspannten Schultern, meine Fantasie, ganz viel Kaffee, Schokolade......

Jetzt denken bestimmt einige , dass kann man sich doch nicht alles bezahlen lassen.
Doch man kann !
Es ist natürlich nicht immer in Stundenlohn aufzurechnen, aber bei einer Preisgestaltung schon mit einzubeziehen.
Ich spreche ja mit vielen Kunden, die sich nicht sicher sind, wenn es um Preise für ihre eigenen Arbeiten geht. Ich sage immer, bitte wertet eure Arbeit nicht herab. Teilweise bringen sie mir Schmuckbeispiele und wir sprechen dann gemeinsam über die Preise. Viele ( gerade wenn kein Gewerbe vorhanden ist ) denken, wenn sie den Warenwert rausbekommen, ist es ok. Man möchte verkaufen...
HILFE......so wenig kann einem doch die eigene Arbeit nicht wert sein? Leider manchmal doch.... Viele trauen sich nicht, für ihre geleistete Arbeit Geld zunehmen. Dann kommen Argumente wie : "sonst kauft es ja keiner" , "ich habe jetzt selber so viel Schmuck und will es loswerden" , "so "teuer", das geht doch nicht ".
Aber man sollte sich nicht zusehr an den "Billigpreivorstellugen" mancher Kunden orientieren, da diese oft nur den reinen Warenwert sehen und nicht die Arbeit die dahinter steckt. Schließlich geht es nicht um Massenproduktion.
Die Frage ist ja auch...was würde ich selber für "Handmade" ausgeben....

Ich schreibe jetzt einmal deutlich !!!! Diese Arbeit habe ich erstellt und keine - vielleicht kleinen- Menschen, die anderswo "ausgebeutet" werden....diese Arbeiten könnte man vielleicht etwas billiger bekommen. Aber das sollte nicht das einzige Kriterium sein.
Die Rückmeldungen von meinen und den "Seeperlen" Kunden geben mir aber Recht....es funktioniert, wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt und zu seiner "Arbeit" steht.
Ich rede ja auch nicht von überzogenen Preisen!
Vorausgesetzt ist natürlich immer, dass die Arbeit ordendlich und professionel ausgeführt ist.

Meine Perlenfreundin Sabine hat bei Facebook einen super Bericht geschrieben. Sie wurde immer gefragt "Wie schreibst du deine Anleitungen" ?....diese Antwort spricht mir aus der Seele....ich darf den Beitrag zeigen ... es klappt nicht mit dem Verlinken, deswegen habe ich ihm kopiert. Er steht am Ende meines Postings.

Persönlich hatte ich übrigens noch keine Diskussionen über meine Preise.
Es ist sicher manchmal so, dass man sich ein Schmuckstück im Moment für diesen Preis nicht kaufen möchte. Trotzdem ist es seinen Preis wert.
Jetzt noch einmal ein Foto, damit ihr euch vorstellen könnt, was ich mit Kreativität meine....
Ich steige durch ;-)




Lieben Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt für diesen langen Beitrag....
Grüße Tina
...und jetzt noch Sabines Facebook Posting....

People often ask me: Hey! What do you use to write your instructions?"
Well the answer is quite simple:
I use my brain, my fantasy, my inspiration, my nerves, my sweat, my patience, some trial and error, my fingers, my sometimes hurting shoulders, my (stiff) neck, my butt, my gutts, my fun, my computer, some text program, some illustration program, lots of time, sleepless nights and endless beadin

g sessions. Several liters of coffee, ice cream, chocolate, salad, cookies, pasta, (hey you really need some food while making the drawings!), boxes with DVD's, audio books or music, to get inspired.
All in all: Making instructions is not just beading something and then there is a program making the rest for you ;-)
Not the program is making the instructions, it is the person! So it really does not matter which program I use ;-)






Kommentare:

  1. Herrlich. Man bekommt heutzutage keinen Handwerker mehr unter 20 €, warum also solltet ihr Kreativen das nicht auch verlangen? Ich versteh es nicht. Ich selber nähe nur als Hobby, mein Geld verdiene ich anders. Übrigens damit, dass ich mir Material und Preise SO bezahlen lasse, dass ich davon nicht nur leben sondern auch wieder investieren kann. Im Falle der Näherinnen zum Beispiel in eine neue Nähmaschine. Denn JA, auch das muss mit berechnet werden. Ich hätte jetzt gerne ein Schmuckbeispiel angeführt, wenn ich da auch nur im geringsten Ahnung von hätte. ;o)

    Was ich eigentlich sagen will: RECHT HAST DU! Wobei ich auch einmal einfügen möchte, dass das Produkt auch stimmen muss. Für schlecht gemachte Sachen ist auch "billig" noch zu viel.

    Liebe Grüße
    Sarah (Bekomm ich jetzt auch nen Kafee???)

    AntwortenLöschen
  2. ....das stimmt natürlich, dass das Produkt stimmen muß...werde ich noch einfügen...sehr gut.
    Grüße Tina

    AntwortenLöschen
  3. Recht hast du. Und bei einem Markt müssen auch die sonstigen Unkosten draufgerechnet werden. Standgebühren, Strom, Werbung. Bei einem Weihnachtssmarlt kommen da ja auch mal schnell dreistellige summen zusammen. Oder eben bei einem virtuellen Marktplatz die Verkaufsgebühren....

    AntwortenLöschen
  4. Tina, ich find es toll, wie du deinen Arbeitsprozess beschreibst...das kann ich voll unterschreiben :-) und wenn das ein Foto von deinem Arbeitsplatz ist, können wir uns schwesterlich die Hände reichen...ich dachte nur bei mir sieht das so aus :-))

    Die eigenen Arbeit wertschätzen ist ein wichtiges Thema...und ich kann mich dir nur anschliessen! Es ist schwierig Orientierung zu finden, aber ich muss sagen, das die Menschen, die selbst Dinge herstellen egal, ob Stricken, Häkeln, Sticken oder mit Holz werken oft viel bsser verstehen, was Arbeit und in diesem Fall Schmuckstück wert sind. Ich selbst sehe das mittlerweile auch anders als früher...und entscheide dann, wenn ich etwas Schönes sehe ob es mir das Wert ist und ob ich es mir leisten kann. Eine gute Bekannte hat mir auch mal gesagt, das viele Kunden sich eben auch mal etwas gönnen...und bei einem besonderen Stück darf es dann auch mal etwas mehr sein und die diskutieren auch nicht über den Preis. Im Gegenteil, wenn es zu günstig ist denken sie es wäre nicht so viel wert...so kann es nämlich auch laufen.

    Liebe Grüße, Siggi

    AntwortenLöschen
  5. Seit ich bei Dawanda schaue wieviel manche für ihre Arbeit nehmen, habe ich es aufgegeben einen Online-Shop machen zu wollen, weil man die einfach nicht halten kann und so frage ich mich, wie die das finanzieren?

    Deinen Post finde ich genial und davon sollte es mehr geben, Applaus für dich!!!

    AntwortenLöschen
  6. Das ist meine Rede schon seit Jahren. Du schreibst mir geradezu aus dem Herzen!

    Der Ehegatte einer Künstlerin hier in meiner Nähe meinte mal: Du musst die Dinge, die Du machst nicht unter dem arbeitstechnischen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkt betrachten, sondern unter dem künstlerischen und sie auch dementsprechend vermarkten.
    An der Stelle fällt mir mein "Lieblingskiünster" Josef Beuys ein, der sein Gekritzel auf einer gebrauchten Serviette als Kunst vermarktet.

    Es ist unter anderem auch eine Frage der Sozialisation von Frauen. Deren Arbeit ist wenig bis nichts wert! Denn sie haben ja den Mann der sie versorgt und alles was im Haus getan wird, läuft nebenbei ohne eigenen Sinn und Zweck und ohne Wert. Die anderen Frauen der Geschichte, die Klosterfrauen, haben soweiso für Gotteslohn zu arbeiten gehabt. Die Zeiten haben sich inzwischen geändert aber die innersten Einstellungen könne nicht hinterher, weil sie uns Mädels so lange eingetrichtert wurden.

    Aber: Ein Juwelier kalkuliert ganz hart, seine Materialien, seine Zeit, seinen Arbeitsplatz und so weiter. Ein Schmuckstück kostet dann auch entsprechend viel und Kunden kaufen das - ohne zu murren.
    Ein Automechaniker, ein Installateur, ein Maler kalkuliert ganz hart und die Kunden bezahlen Stundensätze von bis zu 80 € und wenn ich Sänger, Kabarettist oder Politiker bin, bekomme ich für meinen Auftritt, der 2-3 Stunden braucht 10 bis 20.000 € - und der Kunde zahlt.

    Warum also sollen wir unsere Leistung weit unter Wert verkaufen?

    Eine einzige Antwort: Weil wir uns nichts wert sind!
    Oder doch?

    Ich habe hier immer gesagt: Lieber schenke ich meinen Schmuck her, ehe ich ihn unter Wert verkaufe.
    Das hat dazu geführt, dass die Leute meine Preise bezahlten, als ich anfing, doch mal ein Stück zu verkaufen. Ich lege allerdings auch dar, wie ich kalkuliere. Und wenn ich mit nur 10 € pro Stunde kalkuliere, kommt noch immer ein stattlicher Preis heraus.

    Also: Alle perlenden Schmuckherstellerinnen: stärkt Euer Selbstwertgefühl und verkauft zu angemessenen Preisen.

    Liebe Grüße
    Iris

    AntwortenLöschen
  7. Gratulation zu diesem großartigen Beitrag und zu den klugen Statements der Leser!
    Mit lieben Grüßen aus Niederösterreich:
    Uli

    AntwortenLöschen
  8. Das ist ein ganz toller Bericht, er macht Mut zur Erhöhung "Meines Wertes".
    Ich habe erst letztens einen auf den Deckel bekommen, von einen Jungen Mann, der sich eine Halbe Stunde lang meinen ganzen Schmuck schweigend angesehen hat, eine Visitenkarte nahm und ging. Später kam er wieder und meinte das meine Visitenkarten falsch sind. Auf meine Frage: Warum?, sagte er : Das ich mich nicht Hobbykünstlerin schimpfen kann, da muss definitiv Künstlerin stehen.
    Ich finde das Kreativ Bild klasse :o) Als wäre es bei mir gemacht worden...

    AntwortenLöschen

Danke, dass ihr euch Zeit nehmt einen Kommentar zu schreiben. Ich freue mich über jede Anregung oder Info.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...